98.239 Schritte durch Lissabon

Nach einem langen Jahr 2014 beginnen wir 2015 gleich mit einem Kurztrip nach Lissabon und Umgebung. Bereits beim Anflug wurden wir überwältigt von der Größe der Stadt. 5 kurze Tage und 98.239 Schritte führten uns durch eine der schönsten Metropolen von Europa.

Lissabon ist mit knapp 85 km² nicht nur mit die größte Stadt Portugals, sondern auch gleichzeitig die Hauptstadt und wird durch den Tejo in Nord und Süd geteilt. Es leben ca. 545.245 Einwohner in der Stadt und den Vororten, die sich auf den sieben Hügeln verteilen. Eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten und Museen bestimmen das Stadtbild. Kaum eine andere Stadt bietet dem Betrachter eine so abwechslungsreiche Skyline, wie Lissabon.

Portugal - Lissabon - View from the Trantejo

Lissabon hat uns mit ihrem Charme überzeugt. Das ganze Jahr bleiben die Temperaturen am Tage an die 20 Grad, dadurch ist Portugals Metropole auch im Winter ein einzigartiges Reiseziel.
Bei unserer Kurzreise erlebten wir eine Mischung aus Reizüberflutung, Melancholie und kulinarische Spezialitäten.

Selten haben wir innerhalb von 5 Tagen so viel erlebt wie in Lissabon und Umgebung.
Ein Labyrinth, das uns verwirrt aber schon gleich bei der ersten falschen Abzweigung zu unserem Lieblingsplatz führt.

Auf dem Weg zu unserem Hostel, das Graça 28, geht es über viele Stufen und Hügel in den Stadtteil Graça. 10 Meter vor unserem Hostel zeigt unser Navi den Weg nach rechts. Ein weiterer Hügel kommt auf uns zu, bevor wir am Ende der Straße merken, dass der Weg (nicht) umsonst ist. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir den Aussichtspunkt Convento Nossa Senhora da Graça. Unsere Reise beginnt mit einem Blick nach Westen über die gesamte Stadt. Lissabon erstrahlt bereits in einem Lichtermeer, während am Horizont die Sonne intensivste Farben an den Himmel malt. Noch nie haben wir einen intensiveren und vor allem größeren Sonnenuntergang gesehen. Der erste Anblick ist bereits unersättlich.

Historische Straßenbahn

Nachdem wir die Stadt von oben betrachtet haben, verschaffen wir uns einen schönen Überblick mit der berühmten Tram E28. Die 100 Jahre alte Straßenbahn ist eine absolute Attraktion. Durch die engsten Gassen, vorbei an parkenden Autos über steile Straßen fährt die Eléctrico 28 ihre Route mitten durch das Herz von Lissabon.

Portugal - Lissabon - Electrico 28

In Prazeres ist Endstation und unsere Stadterkundung geht zu Fuß weiter. Immer wieder fällt die rote Brücke ins Auge. Die Ponte 25 de Abril ist eine 3,2km lange Brücke und führt über den Tejo. Sie ist die zweitlängste Hängebrücke der Welt und erinnert stark an das eigentliche Vorbild, die Golden Gate Bridge. Die Verbindung zur gleichen Baufirma verstärkt die Ähnlichkeit. 1966 wurde die Brücke mit dem Namen „Salazar-Brücke“ eingeweiht. Zehn Jahre später wurde sie, zur Erinnerung an die Nelken-Revolution vom 25. April 1974, umbenannt. Weitere 8000 Schritte führen uns durch die Gassen von Lissabon bis wir erschöpft und überwältigt ins Bett fallen.

Portugal - Lissabon - Ponte de 25 Abril

Friedhof des Vergnügens

Mit der Tram 28E fahren wir noch einmal zur Endstation Campo Ourique. Der naheliegende Friedhof Cemitério dos Prazeres ist heute unser erstes Ziel. Der Friedhof des Vergnügens wurde 1833 als öffentlicher Friedhof auf einem Vergnügungspark errichtet. Die Grabmäler sind wie Häuser einer Stadt angeordnet. Die Familiengräber ziehen sich durch mehrere Straßen und Alleen durch das Gelände. Ein makabrer Gedanke, einen Friedhof als Sehenswürdigkeit zu besuchen. Die Alten Grabstätte wirken wie kleine, kunstvolle Bauwerke. Die Mausoleen haben Fenster und Türen und sind teilweise wohnlich und gepflegt eingerichtet oder schon zerfallen und man blickt auf kaputte Särge die manchmal schon auf dem Boden liegen. Die Ansicht ins Innere der Familiengräber weckt ein schauriges Gefühl.

Portugal - Lissabon - Cemitério dos Prazeres - Friedhof des Vergnügens

Weiter geht es mit dem Bus zum Platz des Handels. Der Praça do Comércio liegt direkt am Tejo und gehört neben Rossio und Praça de Figueira zu den wichtigsten Plätzen in Lissabon. Nach dem Erdbeben von 1750 wurde die gesamte „Innenstadt“ neu aufgebaut. Der eigenständige Wiederaufbau wurde von der Regierung verboten und an Eugénio dos Santos und Carlos Mardel  weitergegeben. Es entstand eine geometrische Planstadt die einem Schachbrettmuster ähnelt. Gegenüber der Kaimauer steht der Arco da Rua Augusta Torbogen – hier ist der Eintritt in den Stadtteil Baixa.
In Lissabon scheint man ziemlich offen mit dem Thema Drogen umzugehen, denn hier und auf vielen weiteren Plätzen wurden wir häufig angesprochen: „Weed?!“

Portugal - Lissabon - Praça do Comércio - Arco da Rua Augusta

Südufer

Mit der Sonne im Gesicht folgen wir der Hafenstraße bis zum Bahnhof & Fähranleger Cais do Sodré  im Stadtteil São Paulo.
Eine der Transtejo Fähren fährt uns über den Tejo auf die Südseite Lissabons.

Portugal - Lissabon - Transtejo - Cais do Sodré - Cachilas
Wir legen im Stadtteil Cacilhas in der Nähe eines verlassenen und verfallenen Fabrikgebäudes an. Die Promenade am Flussufer entlang werden wir von den kreativsten Streetart-Bildern begleitet. Wie auch schon Meike von MeikeMeilen schreibt, zeigt Lissabon stolz seinen Besuchern die bunten Graffitis die sich über die gesamte Stadt verteilen.
Portugal - Lissabon - Cachilas Streetart
Mit dem Fahrstuhl Elevador emiradouro da Boca do Vento überwinden wir die 50 m Höhenunterschied und blicken auf ein tolles Panorama.
Portugal - Lissabon - Cachilas - Elevador emiradouro da Boca do Vento
Weitere 1658 Schritte geht es bergauf, um zum Thron der Statue Cristo de Rei zu gelangen. Schon am Fuße der Jesusstatue hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Ponte de 25 Abril, dem Tejo und der Nordseite Lissabons. Mit dem Lift geht es weitere 75 m hoch auf den Sockel der 28 m hohen Statue. Das Monument ist eines der höchsten Gebäude Portugals. Die Jesus-Statue wurde von den Bischöfen erbaut – Zum Dank an Gott, weil Portugal vom zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist.

Portugal - Lissabon - Cristo de Rei

Den Abend verbringen wir bummelnd in der Innenstadt. Auch hier zeigt Lissabon sich wieder von einer künstlerischen Seite. Tänzer, Musiker, Sänger, Maler und lebende Puppen dominieren in der Ladenzeile. Der Fado der Strassenmusiker kann zu Tränen rühren. Neben dem eigentlichen Gefühl in Lissabon, von Gelassenheit und Ruhe spürt man das Schicksal der Künstler.
Die Metropole ist bekannt für ihre Fahrstühle und so verbindet der bekannteste in Lift in Lissabon wieder zwei Stadtteile miteinander. Der Elevador de Santa Justa ist ein 45 m hoher Personenaufzug und verbindet die Baixa mit dem Stadtteil Chiado. Auf zweiter Ebene befindet sich ein Café mit – wie soll es auch anders sein – einer Aussichtsplattform. Für 5,-€ sichert man sich eine Fahrt in die nächste Etage.

Sintra

Der dritte Tag bringt uns mit dem Zug in das 25 km entfernte Sintra. Paläste und Burgen ziehen hier die Touristen an. Wir entscheiden uns mit dem Park Quinta de Reguleira zu beginnen und uns zum nächsten Park hoch zu arbeiten. Wie Magie nimmt uns der verwunschene Park die Zeit. Labyrinthe, Brunnen, Höhlen und Grotten halten uns sieben Stunden in der exotischen Umgebung.

Portugal - Sintra - Quinta de Reguleira
Im Winter schliessen die Paläste bereits um 17 Uhr, so dass wir den Aufstieg zum Pena Park verschieben. Zurück zur Bahnstation gehen wir noch einmal am Palacio Nacional de Sintra vorbei. Der Königspalast steht mitten in der Altstadt von Sintra und fällt vor allem mit seinen beiden großen kegelförmigen Schornsteinen der Palastküche auf. Das Wahrzeichen gehört zum UNESCO Welterbe.

Portugal - Sintra - Palacio Nacional de Sintra - Kegelschornstein

Mit dem Bus fahren wir weiter zum Cabo da Roca, dem westlichsten Festland von Europa. Auf den hohen Klippen genießen wir den Sonnenuntergang und lassen den Abend mit einer Flasche Wein ausklingen.

Portugal - Cabo de Roca - View, Sonnenuntergang

Bei unserem zweiten Besuch in Sintra beschließen wir den steilen Aufstieg und die vielen Serpentinen mit dem Bus zu bewältigen. Im Pena Park merken wir schnell, dass die Quinta de Reguleira uns schon die geheimsten Illusionen gezeigt hat und sind etwas enttäuscht, von der Landschaft. Der Blick auf das Märchenschloss Palacio Nacional da Pena – das Neuschwanstein von Portugal – macht den Zeitverlust dann aber erträglich. Der Kummerpalast befindet sich auf dem Gipfel von Sintra und wirkt durch die verschiedenen historischen Baustile wild zusammen gewürfelt.

Portugal - Sintra - Palacio Nacional da Pena

Das schöne Wetter zieht uns zum Strand. Der Bus bringt uns nach Guincho, dem wohl schönsten Strand der europäischen Union. Umhüllt von steilen Felswänden bietet der kleine Sandstrand einen traumhaften Sonnenuntergang. Meter hohe Wellen machen das Bild perfekt.

Portugal - Cascais - Praia da Guincho - Sonnenuntergang

Belém

Nachdem wir unsere Füße mit viel Bus und Bahn fahren geschont haben verbringen wir unseren letzten Tag noch mal viel auf unseren Fußsohlen. In der Unterstadt von Lissabon bleibt die Sicht das erste Mal ebenerdig. In Belém befinden sich viele bekannte Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Das Padrao dos Descobrimentos wurde zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer errichtet und steht für die Vergangenheit der Seefahrergeschichte von Lissabon. Die 33 wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit wurden in Stein verewigt. Der Vorplatz des Denkmals zeigt ein einmaliges Mosaik. Eine Windrose in deren Zentrum eine Weltkarte mit den Routen portugiesischer Entdecker aus dem 15. Und 16. Jahrhundert zu sehen ist.

Portugal - Lissabon - Padrão dos Descobrimentos Portugal - Lissabon - Padrão dos Descobrimentos - Windrose

 

Ein Stück weiter dem Atlantik entgegen reckt sich der Torre de Belém – das Wahrzeichen Lissabons – dem Himmel entgegen. Nachdem er 1515 mit seinem Zwillingsbruder am Südufer errichtet wurde, dienten beide als Leucht- aber auch als Abwehrtürme. Heute steht nach dem Erdbeben nur noch der Nordturm, der viele Jahre als Gefängnis und Waffenlager, jetzt aber nur noch als Museum und Aussichtsplattform genutzt wird. Der Torre der Belém steht in einem kleinen Park, der den Lärm von der Hauptstraße abschottet und so einen ruhigen Moment in der Sonne gewährt.

Portugal - Lissabon - Torre de Belém - Wahrzeichen

Leider rückt unser Rückflug immer näher, sodass wir nur noch Zeit für einen kurzen Spaziergang über den Vorplatz des Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymitenkloster) haben.

Portugal - Lissabon - Mosteiro dos Jerónimos

Unser Weg führt uns noch einmal in die Innenstadt zu der Ascensor da Bica. Eine der drei Standseilbahnen Lissabons, die auf 260m Strecke einen Höhenunterschied von 45m ausgleicht.

Portugal - Lissabon - Ascendor da Bica

Eigentlich sind 98.239 Schritte nicht viel, wenn man bedenkt das 10000 Schritte am Tag normal sein sollen. Wir waren trotzdem jedes Mal froh, wenn uns das sehr gut ausgebaute Streckennetz die vielen Hügel und Stufen abgenommen hat. Unser iPhone Schrittzähler war mit der ungewohnten Arbeit mit Sicherheit total überlastet.
Lissabon hat uns fasziniert und wir können nur sagen: Portugal wir kommen wieder.

Freut Euch auf viele Berichte über die schöne Stadt und unser Video around Lissabon. Wenn Ihr auch schon mal in Lissabon wart, freuen wir uns auf Eure Kommentare mit noch mehr Tipps und Ausflugszielen in Lissabon und Umgebung.

5 Comments

  • Antworten Januar 10, 2015

    Wolfgang

    Schöner Bericht, aber die Aussage „Das ganze Jahr bleiben die Temperaturen am Tage über 20 Grad, dadurch ist Portugals Metropole auch im Winter ein einzigartiges Reiseziel.“ ist definitiv falsch.

    Ich bin gerade in Lissabon und an keinem der letzten vier Tage wurden auch nur annähernd 20 Grad erreicht. Vor drei Tagen gab’s Temperaturen zwischen 2 und 7 Grad und gestern war der mit Abstand wärmste Tag mit max. 15 Grad.

    • Antworten Januar 14, 2015

      Sassy und Flo

      Es sollte auch eigentlich „um die 20 Grad“ heißen.
      Wir haben es direkt geändert.
      Wir hatten anscheinend Glück denn bei uns viel das Thermometer tagsüber tatsächlich kaum unter die 20 Grad Marke.

  • […] 98.239 Schritte durch Lissabon […]

  • Hallo Sassy und Flo, danke für die wunderbaren Impressionen. Auch ich habe Lissabon einmal im Januar genossen, kein schlechter Tipp!
    http://www.frau-auf-reisen.de/?p=1298
    Ganz so traumhaftes Wetter wie Ihr hatten wir damals nicht, aber mit 16,17 Grad darf man in Lisboa zum Jahresanfang nicht meckern. Allerdings habe ich die Stadt weniger reizüberflutend erlebt, sondern ganz gemächlich, langsam, aber bildreich einprägsam. Und Portugal ist als Ganzes wirklich immer wieder schön!

  • Antworten Januar 26, 2015

    Sassy und Flo

    Wir haben auch die ruhigeren Ecken Lissabons kennen lernen dürfen, die das bunte Gesamtbild der Stadt im nachhinein noch weiter intensiviert haben. Reizüberflutung – Für uns das Wort für das Unerwartete. Wir haben uns Lissabon nie so groß und vielfältig vorgestellt. „Reizüberflutung“ hat vielleicht einen negativen Beiklang, aber in diesem Fall, auf uns, eine ausschließlich positive Wirkung.
    Auch für uns steht es außer Frage, dass uns unsere Reisewege noch das eine oder andere Mal nach Portugal führen. Es fehlen schließlich noch so viele Orte, die von uns noch erkundet werden müssen…
    Deine Beiträge über Lissabon und Portugal sind schön zu lesen und wecken Erinnerungen!

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