In 48h von der Haustür bis ans andere Ende der Welt

Habt Ihr euch auch schon einmal gefragt, wie es am anderen Ende der Welt aussieht?
Wolltet Ihr insgeheim nicht auch schon einmal wissen, wie lange man genau von einer Kieler Haustür zu einer Hostel-Tür in Rotorua unterwegs ist?

Diese Fragen kann ich Euch gerne beantworten.
Wie schön es Down-Under bzw. im Land der Hobbits ist, werde ich Euch noch in den folgenden Postings erzählen… Wie lange die Reise aber bis zu YHA-Hostel in Rotorua dauert, verrate ich euch heute.

Es sind, wie der Titel vielleicht schon erahnen lässt, genau 48 Stunden. Natürlich kann man es auch schneller (oder auch langsamer 😉 ) schaffen, aber in meiner Situation, war dieser Weg von der Preis-Leistung am angenehmsten.

Die Airline meiner Wahl, war die Fluggesellschaft Emirates mit Hauptsitz in Dubai. Somit hatte ich auch gleich die Gelegenheit zumindest den Flughafen der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate zu erkunden.

Aber jetzt erstmal von Anfang an:

Am Anfang stellt sich bestimmt jeder die Frage: Warum? – Warum nimmt man eine Anreise von ziemlich genau 2 vollen Tagen in kauf?
Für mich war Neuseeland schon von Kind auf ein faszinierendes Land und ein Traumziel für spätere Reisen. Dass ich früher als Gedacht (also nicht im Rentenalter) die Chance ergreifen kann, war eine Verkettung vieler schöner Zufälle. Die Hauptgründe lassen sich aber auf 3 Punkte reduzieren. Eine Freundin reiste für ein halbes Jahr nach Neuseeland um dort als Au-Pair zu arbeiten, ich hatte zum Ende ihres Aufenthaltes Semesterferien und ich hatte durch eine glückliche Fügung eine kleine Finanzspritze erhalten. Es sprach also nichts mehr dagegen, „spontan“ einen Flug nach Neuseeland zu buchen und eine Reise von insgesamt 12 Tagen zu planen.


00:00 – Kiel: Start aus der eigenen Haustür. Kofferrollen sind frisch geölt, Jogginghose sitzt und die bequemsten Schuhe an den Füßen die mein Schrank hergab. Auf zur Bushaltestelle. Mit der KVG geht es zum Bahnhof/Zob. Hier fährt in regelmäßigen Abständen der Kielius-Bus zum Hamburger Flughafen. Als Student ist dies (außer eine Mitfahrgelegenheit) mit die günstigste Methode um zum Flughafen zu gelangen.

00:10 – Kiel: Ankunft am ZOB. Der Kielius-Bus ist noch nicht da – also heißt es: warten… warten – das habe ich während diesen 48 Stunden gerlent… geduldig warten…

00:25 – Kiel-Hamburg: Endlich geht es los, die Reise kann beginnen! Mit einem Schlenker über Neumünster geht es direkt zum Hamburg Airport.

2011_04_05_13_50_21_317001:45 – Hamburg: 1. Etappe geschafft! Koffer aus dem Gepäckraum gewühlt – ab zum Emirates-Schalter. Ein letzter Check, ob nichts wichtiges für den Flug sich noch im Koffer befindet, denn den sehe ich erst in 2 Tagen wieder. Ab jetzt bleibt mir nur noch mein Rucksack.

05:25 – Hamburg-Dubai: Nach den ersten 5 1/2 Stunden Reise steht nun der erste Flug von ca 6 Stunden an. Nach dem Start, direkt eine Kurve und Kurs Richtung Süd-Osten. 2011_04_05_17_19_37_3203Es geht über halb Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowakei, Ungarn, Rumänien, vorbei an Bulgarien über das Schwarze Meer Richtung Türkei. Ein Schlenker über den Irak geht es über Saudi Arabien endlich in die Vereinigte Arabische Emirate. Die Monitore in den Sitzen zeigen das Live-Bild von 2 Außenkameras.2011_04_05_15_03_06_3181Der Blick nach vorne aus dem Cockpit und der Blick senkrecht nach unten. Außerdem stehen noch diverse Filme und Serien dem Fluggast zur Verfügung. Auch das Essen, welches von dem freundlichen Boardpersonal ausgeteilt wird, hält den hohen Standard den die Airline auf den ersten Blick erzeugt. Für die schläfrigen Gäste in der Maschine werden auch kleine Kissen und dünne Decken verteilt. Der Anflug in der Nacht war berauschend. In Mitten der schwarzen Wüste ein wachsender heller Fleck. Riesige Gebäude und weite Straßen ergeben ein Lichtermeer, das ich so noch nicht gesehen habe.

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2011_04_05_21_45_06_326511:40 – Dubai: Sanfte Landung in Dubai. Ausstieg auf dem Vorfeld. Die auf 16°C klimatisierte Luft im Flugzeug trifft auf nächtliche 30°C. Die trockene heiße Wüstenluft steht wie eine Wand direkt vor der Kabinentür zieht nach und nach auch ins Flugzeug. Der erste Schritt hinaus erforderte Mut, doch war es ein schönes Gefühl die warme Luft auf der Haut zu spüren und nach 6 Stunden Flug sich endlich wieder frei bewegen zu können. Ein paar Busse stehen bereit um uns zum Terminal zu fahren. Noch durch eine Passkontrolle erreicht man endlich das ewig lange Hauptgebäude. Ein kleine „Oase“ befindet sich direkt an meinem Ankunfts-Gate. 2011_04_05_22_02_49_32752011_04_05_22_07_14_3290Ich mache mich auf den Weg zu meinem Abflugterminal – nicht dass ich es eilig gehabt hätte, aber ich wollte einerseits erste Eindrücke sammeln und andererseits zu meinem Gate zu finden. Nach 20 min Fußmarsch und Fließband fahren bin ich, mit ein paar wenigen Zwischenstopps, an meinem Ziel. Der Hunger treibt mich zum gegenüberliegenden McDonalds. Ein Quaterpunder musste jetzt einfach sein (warum gibt es die eigentlich über all auf der Welt, nur in Deutschland nicht!?). Die letzten Minuten bis zum Abflug verbringe ich mit umherschlendern und warten.

14:40 – Dubai-Kuala Lumpur: Ich war glücklich festzustellen, dass ich innerhalb der folgenden 16 Stunden eine kleine Pause in Malaysia hatte. Der Flug war sonst nicht weiter besonders. Ein Flug wie jeder andere auch. Die Skyline von Dubai in der Nacht noch einmal zu sehen war wieder faszinierend. Danach nur noch Dunkelheit. Für mich der Zeitpunkt ein wenig zu schlafen. Der Weg ist noch weit…2011_04_06_01_32_28_3300

2011_04_06_06_52_15_331321:55 – Kuala Lumpur: Durch die Morgendämmerung beginnt  gegen Mittag (Ortszeit) der Landeanflug auf die Hauptstadt von Malaysia. Die Landschaft könnte sich nicht mehr als von der in Dubai unterscheiden. Ein Meer aus dunkelgrünen Palmen – dazwischen ein brauner Fluß – alles in einem leichten Dunst… Es ist gerade Regenzeit. Wieder der Ausstieg auf dem Vorfeld. Die „Klimawand“ aus Dubai wurde hier noch einmal getoppt. 35 Grad und eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit schnürten mir beim Ausstieg für eine Sekunde die Kehle zu. Es war wie das erste Betreten einer Sauna. Kuala Lumpur – ein überschaulicher Flughafen, aber für nur eine Stunde Aufenthalt defintiv ausreichend.2011_04_06_08_48_43_3349

22:55 – Kuala Lumpur-Melbourne: Die letzte große Etappe steht nun bevor. Aber trotzdem Zeitlich gesehen erst die Hälfte geschafft. Noch einmal 8 Stunden im Flugzeug und ich bin in Down Under. Ich nutze die Zeit um noch einmal die Augen zuzumachen. Es geht jetzt schon wieder in die Nacht hinein. Durch die vielen durchkreuzten Zeitzonen verliere ich das Gefühl für die Tageszeit…

31:05 – Melbourne: Meine Maschine ist die letzte die in der Nacht noch landet. Da ich kein Visum für Australien habe, muss ich die Nacht im Terminal verbringen. Gefühlt komplett alleine suche ich mir einen Platz in der Nähe meines Abflug-Gates. 6 Stunden muss ich nun warten um dann mit dem ersten Flieger des Tages weiter nach Auckland zu fliegen. Ich baue mir aus ein paar Sesseln eine etwas größere Liegefläche und nutze den Moment wieder ein wenig zu schlafen. Ich kam mir vor wie Tom Hanks in dem Film Terminal. Somit hatte ich auch gleich die Möglichkeit mich an die neue Zeitzone zu gewöhnen. Kurz vorm Boarding werde ich vom Personal geweckt und habe die Möglichkeit als erster das Flugzeug zu betreten.2011_04_06_22_19_01_3380

37:10 – Melbourne-Auckland: Der vorerst letzte Flug. Es waren nur 3 1/2 Stunden, doch für mich war es gefühlt der längste Flug. Mein Geduldsfaden war durch die vergangenen 37 Stunden schon genug gereizt. Ich wollte einfach nur noch ankommen. Waren die Flieger bisher sehr sparsam besetzt, sodass ich fast die ganze Zeit drei Sitze für mich alleine hatte, so war dieser jetzt komplett ausgebucht.2011_04_06_22_42_31_3402

2011_04_07_03_22_27_340440:45 – Auckland: Endlich! Meine ersten Schritte auf neuseeländischem Boden! jetzt nur noch schnell den Koffer vom Band geholt und direkt mit den vorher gebuchten „Airbus Express“ in die Innenstadt von Auckland. Ausstieg war in der berühmten Queen Street. Wieder ein wenig Zeit um die Umgebung zu erkunden. Den Koffer in der Nähe der nächsten Abfahrtsstation eingeschlossen geht es die Queen Street rauf und runter. „So muss es in New York sein nur vermutlich noch etwas krasser…“ kommt mir in den Kopf. Geschäft an Geschäft, getrennt von einer Breiten viel befahrenen Straße… ein buntes Treiben um mich herum.

44:14 – Auckland-Rotorua: Noch einmal Geduld zeigen… es wird schon wieder dunkel und meine letzte Busfahrt geht endlich in meinen Zielort. 3 1/2 Stunden noch einmal sitzen und warten…

47:45 – Rotorua: Pünklich erreicht der InterCityGroup-Bus die Zielhaltestelle. Noch 15 Minuten, dann sind 48 Stunden um. Genau die Zeit, die ich jetzt noch zu Fuß brauche… Pünktlich um 20:oo Abends Ortszeit erreiche ich das YHA-Hostel.

48:00 – Dusche: Was kann es schöneres geben, als nach 48 Stunden Reise einfach nur zu Duschen!? Ich kann mir jedenfalls nichts angenehmeres Vorstellen.


Für viele von Euch da draußen klingt der Trip sicherlich nur anstrengend und Ihr könnt Euch vermutlich was besseres Vorstellen, aber ich kann nur sagen es hat sich gelohnt. Ich habe innerhalb von 48 Stunden so viele verschiedene Landschaften, Kulturen 2 Sonnenauf- und 3 Sonnenuntergänge erlebt. Es war einfach ein unglaubliches Erlebnis. Und JA, ich würde es wieder tun!

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