Island – Ja! Auch im Winter!

Eigentlich waren unsere Reisen für dieses Jahr schon komplett durchgeplant, doch wir konnten es dann doch nicht bis in den Sommer aushalten die eigenen vier Wände zu sehen.
Das Fernweh siegte und wir leerten unser Portemonnaie.
Nach viel Recherche im Internet standen nur noch zwei Ziele zur Auswahl. Flucht aus dem Winter hinein in die Sonne nach Dubai, oder jetzt erst recht ab nach Island zwischen Schnee und Eis. Da wir das Abenteuer suchen brauchte auch diese Entscheidung nicht allzu lange. Auf nach Island!

Island – eine der größten Vulkaninseln, liegt mitten im nördlichen Atlantik auf der geologischen Grenze zwischen Europa und Amerika. Durch die Nähe zum Polarkreis ist hier der Winter die Jahreszeit, die das Leben auf Island am meisten beeinflusst. Grundsätzlich gibt es eigentlich nur zwei Jahreszeiten, den Sommer von Juni bis September und den Winter von September bis Juni.
Wer eine Reise nach Island plant, sollte genau dies berücksichtigen, denn einiges lässt sich entweder nur im Sommer oder nur im Winter erleben. Liest man sich durch diverse Reiseberichte und Reisetipps wird einem häufig jedoch von einem Trip im Winter aufgrund einiger Gefahren abgeraten.

Warum sollte man trotz aller Warnungen gerade im Winter eine Reise nach Island unternehmen?

Island im Winter

Zwischen den Monaten September bis Juni ist Island fast flächendeckend mit Schnee und Eis bedeckt. Durch viele Winterstürme wird das Leben auf Island stark eingeschränkt. Viele Straßen, besonders im Norden aber auch im Innenland müssen auf Grund der Witterung zeitweise gesperrt werden.

Island, Winter - Straße Schnee, Eis

Diese Jahreszeit scheint für Reisen zunächst mehr als ungeeignet zu sein, doch gerade diese Wetterlage und die viele Dunkelheit, die nur durch kurze Sonnenstunden am Tag unterbrochen wird, ermöglicht viele Abenteuer und Erlebnisse.

Die Nachtschwärmer und Sternegucker sollten sich bei starken Sonnenwinden nachts vor die Haustür stellen. Bei klarer Sicht lassen sich dann nämlich die schönsten Nordlichter über dem Horizont blicken. Die tanzenden Linien, Wirbel und Formen in den schönsten Grün- und Violett Tönen verschönern den nächtlichen Sternenhimmel.

Island, Winter - Nordlich, Aurora Borealis

Tagsüber sollte man die Gelegenheit nutzen und, mit einem erfahrenen Guide, einen der Gletscher zu überqueren. Der Blick über die schneebedeckte Eiswüste gibt einem das Gefühl der Weitläufigkeit der Welt – in der Relation zur eigenen Körpergröße. Viele Spalten im festen Eis bergen einerseits Gefahr hineinzufallen, geben aber auch ab und zu den Eingang zu faszinierenden Gletscherhöhlen frei. Ist die Höhle zur Besichtigung freigegeben, sollte man die Gelegenheit unbedingt nutzen und sich hineintrauen. Eine riesige Höhle umgeben vom ewigen Eis. Der über tausende von Jahre alte zusammengepresste Schnee schimmert im gebrochenen Licht in allen Blautönen.

Island, Winter - Vatnajökull Höhle Gletscher

Tauwasser, Eruptionen und Erdbeben haben diese Höhlen geschaffen und zu stellenweise „unterirdischen“ Kathedralen geformt. Jedes Jahr tauchen neue Höhlen auf, andere brechen dagegen im Sommer durch die Wärme wieder zusammen. Nie ist ein Winter wie der andere auf Island.

Island im Sommer

Ab Juni sprechen die Isländer von Sommer. Ab dieser Zeit wird es im Gegensatz zu den tiefsten Wintertagen mit max. 1-2 Sonnenstunden kaum dunkel. Mitte Juni gibt es um die Sommersonnenwende sogar einige Tage an denen sich der Himmel nie komplett verdunkelt. Dies ist auch der Grund warum sich für Nordlicht-Fans eine Reise im Sommer kaum lohnen wird, da es schlicht zu hell ist um dieses Spektakel genießen zu können.

Spätestens jetzt lassen sich fast alle Straßen in Island wieder passieren. Brauchte man im Winter noch Spike-Reifen, Allrad-Antrieb oder am liebsten gleich einen „Monster-Truck“ um einige Straßen zu passieren, so kann jetzt jedes beliebige Auto fast alle Straßen ohne Probleme meistern.

Island, Winter - Auto, Monster Truck

Durch die warmen Sonnenstrahlen fangen auch die Gletscher an zu schmelzen. Trotz ihres so stark komprimierten Eises und der unglaublichen Größe, verlieren die Eisberge über die drei Monate viel an Masse. Tauwasser bildet neue Tunnelsysteme im Eis und neue Flussbetten im Vulkangestein.

Island verändert seine Farbe. Für 3 Monate tauchen aus dem Schwarz-Weiß des Winters farbenfrohe Wiesen und Weiden auf. Die Flüsse tauen und auch der eine oder andere zugefrorene Wasserfall stürzt mit lautem Rauschen wieder in die Tiefe.

Island, Winter - Wasserfall Skogafoss

Vulkane

Auch die vielen Vulkane verändern Island ständig. Nicht nur die Struktur im Innenland, auch die Umrisse verändern sich, denn Island wächst stetig. Die Insel liegt geologisch gesehen auf zwei Kontinenten. Die amerikanische Platte im Westen driftet von der europäischen Platte im Osten weg, die Ihren Weg dagegen in den Westen nimmt. Deswegen durchzieht ein Graben die gesamte Insel von Nord nach Süd, in dessen Nähe immer wieder neue Vulkane entstehen oder altbekannte erneut ausbrechen.

Die Elemente

Das Wasser in den Quellen und der Schnee und das Eis im Winter, das Feuer der Vulkane und die Hitze der Unterirdischen Magmakammern, die tiefschwarze, fruchtbare Erde aus Asche und Vulkangestein und die leuchtende, kalte, klare Luft der Nacht – die vier Elemente erzeugen an kaum einer anderen Stelle der Welt eine so faszinierende Kombination, wie auf Island.

Trifft Wasser auf Feuer, so sprudelt es in regelmäßigen Abständen aus den Geysiren hervor oder sammelt sich extrem mineralhaltig in Becken als heiße Quellen, die zum Entspannen und Wohlfühlen einladen.

Island, Winter - Blue Lagoon

Trifft Wasser & Eis auf Erde, dann schwimmen Gletscherbruchstücke an der Küste entlang und werden an schwarzen Strände wieder angespült – glitzern im Sonnenlicht, bis sie nach und nach zerschmolzen sind.

Island, Winter - Jökursarlon

Feuer trifft auf Luft, wenn nachts die elektromagnetische Strahlung der Sonne den Himmel in grüne „Flammen“ setzt.

Island ist anders als alle anderen Reiseziele. Die Bedingungen extremer, das Leben aber irgendwie einfacher. Keiner regt sich über das „schlechte Wetter“ auf sondern fährt einfach weiter, oder bleibt da wo er ist. Es verkennt keiner die Gefahr, doch jeder hat gelernt damit umzugehen und zu leben. Fällt dem Isländer dann doch mal die eine oder andere Schneeflocke zu viel vom Himmel, schaltet er die Straßenheizung in Reykjavik ein und schon sind zumindest die Straßen in der Hauptstadt immer passierbar.

Nirgendwo anders treffen die vier Elemente so schön aufeinander wie hier – in Island.

Und nirgendwo anders zeigt die Natur mit ihrer ganzen Kraft was sie alles drauf hat. Und nirgendwo anders fühlten wir uns so häufig der Zivilisation so fern und der Natur so nah!

Wart ihr auch schon mal in Island? Was war Euer schönstes Erlebnis? Wir haben auf Island einige Touren mit verschiedenen Anbietern gemacht, was wir da alles erlebt haben erzählen wir unserem nächsten Artikel.

Island, Winter - Landschaft Skogafoss

1 Comment

  • Antworten Juli 17, 2015

    Malte

    Moin! Wow Island klingt wirklich sehr spannend! Ich habe einen eher ruhigen Sommerurlaub in Schenna Südtirol verbracht und suche jetzt nach einem Reiseziel für den Winter. Island wäre optimal, vor allem die Nordlichter und die heißen Quellen finde ich klasse! Vielen Dank für diesen Artikel und die Bilder, beste Grüße

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